Historie

Um die Gründung von KONEN dauerhaft zu dokumentieren, übergab Peter Eberle, geschäftsführender Gesellschafter, im Herbst 2010 dem Bayerischen Wirtschaftsarchiv die noch vorhandenen Altbestände historischer Unterlagen. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs haben auch hier große Lücken hinterlassen. Bei der Sichtung der unveröffentlichten Materialien entstand die Idee, erstmals die wichtigsten Stationen aus der Vergangenheit des Unternehmens festzuhalten. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem das wenig bekannte unternehmerische Wirken des „Joppenkönigs“ Isidor Bach sowie seiner Nachfolger.

Im Jahr 2011 jährten sich für KONEN drei wichtige Ereignisse der Unternehmensgeschichte:

  • - 140 Jahre Kleiderfabrik Isidor Bach
  • - 75 Jahre Johann Konen Kommanditgesellschaft 
  • - 10 Jahre Eröffnung des neuen KONEN-Hauses.

Die Recherche der Historie von KONEN entstand unter der Leitung von Frau Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs. In den folgenden Absätzen finden Sie eine detaillierte chronologische Aufarbeitung zur Gründung von KONEN:

 

Die Wurzeln: Herrenkleiderfabrik Isidor Bach

Aufmerksame Passanten können in der Sendlinger Straße oberhalb der KONEN-Schaufenster an der Gebäudefassade zwei Reliefplatten mit Fabeltieren in Gestalt eines Ziegenbocks und einander zugewandten Putten mit Schere und Bügeleisen entdecken. Eingemeißelt ist die Jahreszahl 1910. Der Wandschmuck erinnert an das ehemalige Bekleidungshaus Isidor Bach. Der jüdische Kommerzienrat und maßgebliche „Erfinder“ der Konfektion machte sich 1871 mit 22 Jahren nach seiner Ausbildung in einem Oettinger Textilhandelshaus in Augsburg selbständig. Das notwendige Kapital hatte er sich selbst erspart, außerdem investierte der Vater in das junge Unternehmen. Auf dessen Wunsch trat der jüngere Bruder Hermann in die Firma ein. Er hatte in Dresden den Beruf des Zuschneiders erlernt und bei angesehenen Häusern in Speyer, Mannheim und Nürnberg ein Volontariat durchlaufen.

Von Anfang an hatte Isidor Bach geplant, dem Tuchhandelsgeschäft eine Konfektionsabteilung für Herren anzugliedern. Damit betrat er in Bayern weitgehend Neuland. Meist ließ sich die bürgerliche Kundschaft ihre Kleidung bei niedergelassenen Schneiderinnen und Schneidern anfertigen. Auf dem Land wanderte der Störschneider von Hof zu Hof, um für die größeren Bauern und ihre Familien zu nähen. Dagegen beschäftigte Berlins erste Adresse in Modewaren – die Firma Gerson – damals bereits 300 Personen im Verkauf. Für Bach war es zunächst nicht so leicht, Schneidermeister für die Konfektionsarbeit zu finden. Doch schon im Dezember 1871 gelang es Bruder Hermann eine erste Musterkollektion in Franken und Niederbayern gut zu verkaufen. Es dürfte sich jedoch um einfachere „Stapelartikel“ gehandelt haben.

Gute und geschmackvolle Kleidung

Die Zunahme der Bevölkerung und die wachsende Lebenshaltung steigerte den Bedarf „nach guter und geschmackvoller Kleidung“. Das Unternehmen Bach florierte, so dass mehr Aufträge eingingen als gefertigt werden konnte. Da in München ausreichend Schneider zu bekommen waren, entschloss sich Isidor Bach 1878, eine Filiale am Marienplatz zu errichten, die von Bruder Hermann geführt wurde. Zwei Jahre später konnte er schließlich die ehemalige Gastwirtschaft „Unterpollinger“ in der Sendlinger Straße 5 mieten und dort ein Geschäft einrichten.

Zehn Jahre nach der Gründung verlagerte Isidor Bach 1881 den Gesamtbetrieb von Augsburg nach München und wandte sich zunächst der Herstellung von Lodenkonfektion zu. 1887 erwarb die Firma Bach das Anwesen. Nach Umbauarbeiten erhielt das Haus ein 28 Meter langes Schaufenster für das „Detailgeschäft“. Mittlerweile hatten auch die Söhne von Isidor Bach – Hugo und Alfred – ihre kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und konnten im väterlichen Betrieb mitarbeiten. Auch Hermann Bachs Sohn Carl trat einige Jahre später ein.

Um 1900 schließlich konnte Bach die benachbarten Häuser Sendlingerstraße 6 und Dultstraße 4 dazu kaufen. Die Altstadt nahm damals mehr und mehr den Charakter einer Geschäftsstadt an. Auch Bach entschloss sich zum Bau eines neuen Geschäftshauses. Den Auftrag erhielt das renommierte Bauunternehmen Hönig & Söldner, das auch u.a. für das Delikatessenhaus Dallmayr und für die Kleiderfabrik J. Einhorn in der Bayerstraße tätig geworden war.

Feierliche Eröffnung des neuen Geschäftshauses in der Sendlinger Straße

Die feierliche Eröffnung des neuen „Etablissements“ fand am 23. November 1903 „Abend 5 Uhr“ statt. Vertreter des Stadtrats, der Handels- und Gewerbekammer, des Münchener Handelsvereins und einer Reihe von kaufmännischen Korporationen hatten sich dazu eingefunden. Zu den geladenen Gästen gehörten aber auch Freunde der Firma und Vertreter der Presse.

In der Münchner Stadtchronik ist das denkwürdige Ereignis festgehalten: „Das Innere stellt sich dar als ein einziger hoher Raum vom Erdgeschoß bis zum vierten Stock, insofern ein sehr geräumiger, 20 Meter hoher Lichthof eine Verbindung aller Etagen bewerkstelligt. Bedeutende freie Spannweiten, unentbehrliche Stützen und größere Lichtflächen kennzeichnen das für München neuartige praktische und architektonische Bauwerk ...“

Das neue Geschäftshaus war rechtzeitig zum 25-jährigen Geschäftsjubiläum in München fertig geworden. Isidor und Hermann Bach luden aus diesem Anlass alle Angestellten und Arbeiter zu einem großen Festabend am 5. Dezember 1903 im großen Saal des Franziskanerkellers ein. Bei dieser Gelegenheit gaben sie auch bekannt, dass sie eine Stiftung errichteten, die in Krankheit, Not und Sterbefällen den Betroffenen Hilfe und Unterstützung bringen sollte.

Auch seine Königliche Hoheit der Prinzregent ließ es sich nicht nehmen, in Begleitung seines Generaladjutanten Freiherrn von Branca das neue Geschäftshaus zu besichtigen. Besonders beeindruckt zeigte sich der Regent von den elektrischen Zuschneidemaschinen.

Mit Hochrufen der Angestellten endete kurz darauf ein Besuch von Prinz Ludwig, dem Sohn des Prinzregenten, und seinem Adjutanten Freiherr von Lassberg, die sich ebenfalls durch den Betrieb führen ließen. Ein Jahr nach der feierlichen Eröffnung winkte der Titel eines Königlich bayerischen Kommerzienrats für Isidor und Hermann Bach.

Eigene Werkstätten werden erweitert

Um „mittlere und beste Konfektion“ herstellen zu können, baute das Unternehmen verstärkt die Arbeit in eigenen Werkstätten aus und schränkte die Heimarbeit teilweise ein.  Zwar hatte sich mit dem Zukauf der Nachbargrundstücke der Grundbesitz auf 2.200 Quadratmeter vergrößert. Doch nötigte Raummangel das Unternehmen dazu, große Werkstätten in einem Neubau in der Lindwurmstraße 76 unterzubringen. Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten dort 400 Beschäftigte auf drei Stockwerken. Insgesamt zählte der Betrieb damals rund 800 Arbeiter sowie 170 kaufmännische und technische Angestellte. Das Detailgeschäft für Herren- und Knabenkleidung umfasste Spezialabteilungen für Maßschneiderei, Sport- und Livreekleidung und gehörte damals zu den größten Spezialhäusern in Süddeutschland.

Die nächste Generation tritt an

In die für die Familie Bach und das Unternehmen schwierige Zeit nach dem 1. Weltkrieg fiel der Eintritt von Johann Konen als Lehrling. Er wurde am 19. April 1903 in Solingen geboren. Sein Vater Jakob Konen, selbst Sohn eines Schneidermeisters, war Maßzuschneider und Verkäufer bei der Firma Strauß. 1908 wechselte er zur Firma Johann Wels in Wiesbaden. Dort wurde Johann Konen eingeschult und besuchte später die Oberrealschule. Zu den Lieferanten des Hauses Wels gehörte die Herrenkleiderfabrik Isidor Bach. Bei Verhandlungen mit Hermann Bach kam Jakob Konen in Kontakt mit dem Seniorchef, der ihn nach München holte. Ende 1914 siedelte er mit seiner Familie in die Isarmetropole über. Am 15. September 1919 begann Johann Konen seine Lehrzeit im Hause Bach. In seinen Erinnerungen hielt Johann Konen fest, wie es damals in der Sendlinger Straße aussah: Im Parterre und im ersten Stock war das Einzelhandelsgeschäft untergebracht. Der zweite Stock diente als Stofflager und im dritten Stock wurde zugeschnitten. Der Prokurist Albert Bach, Onkel von Carl Bach, erkannte das Potential des jungen Mitarbeiters und nahm ihn auf seine Geschäftsreisen zu den großen Tuchfabriken in Deutschland mit.

Dadurch entwickelte Johann Konen frühzeitig ein sicheres Gespür für Qualität und Tragbarkeit von Stoffen. Auch Carl Bach ließ sich vom Engagement und Sachverstand des großgewachsenen jungen Manns beeindrucken, der ihn bald auf seine Verkaufsreisen begleiten durfte.

Unter dem Hakenkreuz

Am Abend des 9. März 1933 entrollte sich vom Turm des Münchner Rathauses herab eine riesige Hakenkreuzfahne. Auf dem Marienplatz hatte sich eine große Menschenmenge versammelt. Der nationalsozialistische Stadtrat Max Amann verkündete vom Balkon aus die „nationale Erhebung“. Doch der Münchner Bürgermeister Karl Scharnagl hielt die Stellung, erst am 20. März trat er von seinem Amt zurück, mit dem ausdrücklichen Hinweis, er weiche „unter Vorbehalt seiner Rechte nur der Gewalt“. Bereits zum Samstag, den 1. April 1933, hatte die Führung der NSDAP in ganz Deutschland zu einem Boykott gegen jüdische Anwalts und Arztpraxen und Geschäfte aufgerufen. In München bezogen SA-Männer in ihren Braunhemden bereits am Freitag ihre Posten und schikanierten Kunden, Schaufenster wurden beschmiert. Der neue NS-Oberbürgermeister Karl Fiehler untersagte kurz nach seinem Amtsantritt der Stadtverwaltung jegliche Geschäftsbeziehung mit Unternehmen jüdischer Eigentümer.

Auch bei Isidor Bach spürte man die Auswirkungen der antijüdischen Aktionen. Der Umsatz der Firma fiel von April bis Juli 1933 um mehr als ein Drittel, während die Umsätze „arischer“ Firmen nur um 10 Prozent zurückgingen oder sogar bis zu 21 Prozent stiegen. Kunden des Unternehmens wurden auf der Straße oder im Geschäft angesprochen und vom Kauf abgehalten. Deshalb baten einige beim Einkauf darum, sicherheitshalber die Firmenbezeichnung von der Verpackung zu entfernen. Die Firmeninhaber mussten es hinnehmen, dass die Zeitschrift des Deutschen Textilarbeiterverbandes mit Boykottaufrufen im Betrieb verteilt wurde. Zudem propagierte der Verband arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie auch im Rundfunk, nur bei „deutschstämmigen“ Lieferanten zu kaufen. So kam Isidor Bach etwa bei Aufträgen zur Anfertigung des Festanzugs der Deutschen Arbeitsfront nicht zum Zug.

Die Übernahme - Von Bach zu Konen

1935 gab es bereits Gespräche mit der Deutsch-Schweizerischen Verwaltungsbank AG wegen einer möglichen Übernahme, die sich aber zerschlugen. Der Leiter der Sozialabteilung der Deutschen Arbeitsfront Gau München-Oberbayern hatte deswegen bereits die Bayerische Politische Polizei informiert. Anfang 1936 meldete er sich erneut bei der Polizei, weil er erfahren hatte, dass eine Übergabe an die bisherigen Prokuristen der Firma geplant war, die angeblich nicht das nötige Vermögen besaßen. Es lag „die Vermutung nahe, dass dieselben nur die vorgeschobenen Strohmänner des Juden Bach sind und hier der Versuch einer Tarnung gemacht wird.“ Außerdem stünden die beiden „im Rufe unsozialer Judenknechte“ und würden von der gesamten Gefolgschaft einmütig abgelehnt.

Tatsächlich verfolgten Carl Bach und Johann Konen gemeinsam das Ziel, die Übergabe des Hauses einvernehmlich zu regeln. Vermutlich war es der Anwalt des Hauses Bach, Justizrat Esslinger, der dazu eine Lösung einfädelte. Zu seinen Klienten gehörte der westfälische Unternehmer Conrad Bispinck, der in Horstmar bei Münster eine Baumwollweberei besaß und außerdem mit Grundbesitz in Franken und Mitteldeutschland sowie am Starnberger See begütert war.

Für solch ein "Management buy out" – also die Übernahme des Betriebs durch das Management – gründete sich am 6. März 1936 die Kommanditgesellschaft Johann Konen. Als Komplementär brachte Johann Konen 70.000 Reichsmark ein: sein gesamtes Erspartes, außerdem die Ersparnisse seines Vaters und ein Darlehen des Mannheimer Bekleidungshauses Engelhorn & Sturm. Außerdem stieg der Hauptbuchhalter Eduard Ketzer als Komplementär ein. Als Kommanditisten beteiligten sich die Firma Bispinck & Bauer und Ludwig Marx, Prokurist bei Bach.  Am gleichen Tag erwarb die neue Gesellschaft die Firma Isidor Bach und verpflichtete sich, die gesamte Belegschaft weiter zu beschäftigen.

Die Johann KONEN Komm.-Ges. Herrenkleiderfabrik München

Das neue Unternehmen führte auf seinem Briefkopf die Bezeichnung Johann Konen Komm.-Ges. Herrenkleiderfabrik München. Das Misstrauen öffentlicher Stellen wie auch von Einrichtungen der Partei war damit jedoch noch nicht besänftigt. Im Juli 1936 wandte sich die Bezirksausgleichstelle Bayern für öffentliche Aufträge an die Handelskammer München: „Trotzdem verstummt in der Öffentlichkeit nicht die Meinung, dass es sich mit der Umfirmierung nur um eine Tarnung der alten jüdischen Firma handelt. Es ist uns auch bekannt, dass die Reichszeugmeisterei der NSDAP die Firma nach wie vor als Lieferanten ablehnt.“23. Auch der Gauwirtschaftsberater der NSDAP erkundigte sich nachdrücklich bei der IHK: „Die Anfragen über die Firma Johann Konen Komm.-Ges. wegen arischen bzw. rein deutschen Geschäftes und Zweifel hierüber verstummen (...) nicht.“ Er wollte wissen, ob der frühere Inhaber oder die Firma Bach „auch nicht getarnt irgendwelchen finanziellen oder ideellen Einfluss auf das Unternehmen heute noch hat.“

Nach der Übernahme durch Johann Konen stiegen die Gewinne wieder deutlich an. Die guten Jahresergebnisse führten dazu, dass die Konen-Geschäftsleitung ab Mitte 1940 mit den Planungen zu einem Unterstützungsverein für die Beschäftigten begann. Anfang 1941 nahm die „Unterstützungseinrichtung der Firma Johann Konen Komm.-Ges. in München“ konkrete Gestalt an. Ihre Aufgabe war „die freiwillige einmalige, wiederholte oder laufende Unterstützung“ der Konen-Mitarbeiter und ihrer Angehörigen bei „Hilfsbedürftigkeit, Berufsunfähigkeit und im Alter“ sowie die „Gewährung sonstiger Zuwendungen“.

Die Situation für die jüdische Bevölkerung in München wurde immer bedrohlicher. Mit der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 verschärfte sich der NS-Rassenantisemitismus. Im alten Rathaus fand ein Festakt zur Erinnerung an den Hitlerputsch 1923 statt. Propagandaminister Joseph Goebbels informierte die Versammlung, dass Legationsrat Ernst vom Rath, auf den ein junger polnischer Jude in Paris ein Attentat verübt hatte, seinen Verletzungen erlegen war. Goebbels nutzte die Gelegenheit und machte in einer Brandrede die Juden insgesamt für diesen Mord verantwortlich. Angeblich brach daraufhin der Volkszorn los. Doch es war eine von langer Hand inszenierte Kampagne. Nicht nur jüdische Geschäfte wurden in der Nacht verwüstet, der braune Mob suchte auch Privatwohnungen heim.

Gegen drei Uhr morgens traf bei der Branddirektion die Meldung ein, dass im Anwesen des Fabrikanten Carl Bach am Böhmerwaldplatz ein Großfeuer ausgebrochen sei. Der Dachstuhl und der erste Stock waren in Brand gesteckt worden.

Auf dem Weg in die Emigration

Alfred Bach war bei einem Urlaub mit seiner Frau in der Schweiz 1933 nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt. Er wurde mit einer Veröffentlichung im Reichsanzeiger Nr. 92 vom 24. Oktober 1938 ausgebürgert und seiner Staatsangehörigkeit verlustig erklärt. Er fand im kalifonischen Berkeley eine neue Heimat. Sein 90-jähriger Vater Isidor Bach emigrierte 1939 in die Schweiz, wo er bei seiner Tochter Selma lebte und am 10. Mai 1946 starb. Er fand seine letzte Ruhestätte in München, wo schon seine Frau und sein Sohn Hugo begraben waren.

1939 gelang Carl Bach schließlich die Emigration. Über Zürich wanderte er in die USA aus, wo er sich später mit seiner Frau in Pasadena niederließ. Er wurde ausgebürgert, sein Grundbesitz wurde beschlagnahmt. Sein Sohn Peter H. Bach emigrierte frühzeitig nach London, wo schon ein Bruder seiner Mutter lebte. 1934 kehrte er kurzfristig nach München zurück, um seine Eltern zur Auswanderung zu überreden. 1938 ging er von England in die USA. Peter H. Bach gründete 1992 am Münchner Stadtmuseum die nach ihm benannte Stiftung für die Errichtung eines Jüdischen Museums in München. Er starb 1998 in Los Angeles.

Carls Schwester Lina Haimann wurde bei der ersten Deportation Münchner Juden nach Litauen verschleppt und am 25. November 1941 in Kaunas ermordet. Ihrer Tochter Alma gelang die Flucht aus Deutschland.

Neue Werkstätten im Münchner Osten

Zwischenzeitlich hatte das junge Unternehmen eine ernsthafte Krise zu bestehen, wie sich Johann Konen rückblickend erinnerte. Für seine „Hauptstadt der Bewegung“ hatte Adolf Hitler monumentale architektonische Pläne. Ganz besonders wichtig war ihm die Verschiebung des Hauptbahnhofs nach Westen in Richtung Pasing und die Anlage einer 120 Meter breiten Prachtstraße auf dem freiwerdenden Bahngelände. An Stelle des alten Hauptbahnhofs sollte sich ein „Denkmal der Bewegung“ erheben, das mit 175 Metern Höhe alle Münchner Bauwerke weit überragt hätte. Im Zuge dieser Planungen sollte der Lindwurmhof an der Lindwurmstraße abgerissen werden, wo KONEN seine Werkstätten untergebracht hatte. Die zuständigen Behörden boten keine Ersatzflächen an, und so musste die Führungsspitze von Konen auf die Suche gehen. In Haidhausen entdeckte sie am St. Wolfgang-Platz leerstehende Fabrikhallen. Dort hatte Kommerzienrat Anton Schlüter vor dem Ersten Weltkrieg die Fertigung von Benzin- und Vielstoffmotoren betrieben, bevor er 1911 ein Fabrikgelände in Freising erwarb. Anton Schlüter zeigte sich hilfsbereit und vermietete zum 1. August 1938 seine Gebäude an KONEN.

Um die Räume für die Textilproduktion anzupassen, war ein grundlegender Umbau notwendig. In Rekordzeit wurde eine Transformatorenstation und ein Hochdruckkesselwerk für den Betrieb von 50 Bügelmaschinen eingebaut. Außerdem wurde in allen Räumen eine moderne und platzsparende Plattenheizung mit warmem Wasser installiert, die vor allem die Gesundheit der im Dampf hantierenden Mitarbeiter verbesserte. In nur fünf Werktagen wurde der Umzug bewältigt. Am neuen Standort arbeiteten schließlich 450 der insgesamt 750 Konen-Beschäftigten. Die Hosenspezialwerkstätte konnte in der Pettenbeckstraße bleiben, während die Stoff- und Zuschnittabteilung in der Sendlinger Straße blieben. 

Das Unternehmen wird bei Bombenangriffen schwer beschädigt

Im April 1944 flogen englische Kampfpiloten den bislang schwersten Luftangriff auf München. Das schreckliche Ergebnis: 136 Tote, 4.185 Verwundete, 70.000 Obdachlose. Wertvollste geschichtliche Bauten und einmalige historische Baudenkmäler waren zerstört, 2.325 Betriebe mussten geräumt werden. Der Konen-Betrieb in Haidhausen brannte völlig nieder, nur die Kantinenküche ragte aus den Ruinen noch empor. Auch das Geschäftshaus in der Sendlinger Straße fiel im Januar 1945 den Bomben zum Opfer. Anfang April suchte Konen bei der  Gauwirtschaftskammer München dringend um die Ausstellung einer Bezugsgenehmigung für „2 Leiterwägerl“ nach, um die Auslieferung und den Warenverkehr zwischen den ausgelagerten Werkstätten notdürftig aufrecht zu erhalten. Der Betrieb hatte „durch Feindeinwirkung“ das einzige noch vorhandene Geschäftsauto samt Fahrrad verloren und bisher keinen Ersatz erhalten.

Das Ende des Krieges beschert neue Hoffnung

Als die US-Truppen am 30. April in München einmarschierten, fanden sie eine Stadt vor, deren Bausubstanz zu 45 Prozent zerstört war. Seit Kriegsbeginn war die Bevölkerung um ein Viertel gesunken. Johann Konen erinnerte sich rückblickend: „Trotzdem glaube ich heute noch zu wissen, dass damals ein jeder von uns, wenn auch nur insgeheim, ein Fünkchen Hoffnung hatte, ein neuer Anfang werde gelingen.“

Konen gelang es zunächst, sich in den Steinheil-Werken in der Balanstraße einzumieten. Als erste der in München ansässigen Kleiderfabriken durfte Konen die Produktion wieder aufnehmen. Den ersten Auftrag, nämlich die Fertigung einreihiger Mäntel, erteilte die amerikanische Militärregierung. Sie sollten den aus den Konzentrationslagern befreiten jüdischen Häftlingen und ehemaligen Zwangsarbeitern zugute kommen. Als die Steinheil-Werke den Besitzer wechselten, wurde der Mietvertrag wegen Eigenbedarfs hinfällig. Doch Johann Konen entdeckte in der Rosenheimer Straße/Ecke Anzinger Straße eine Alternative. Dort befanden sich die schweren Betonbauten der „Fabrik München“, die 1929 die Dynamit AG, vorm. Alfred Nobel & Co aus Troisdorf bei Köln zur Verwertung chemischer Erzeugnisse ins Leben gerufen hatte. Während des Zweiten Weltkriegs waren dort rund 9.000 Arbeiter mit der Herstellung von Infanteriegeschossen und Zündern beschäftigt. 1945 wurde die Fabrik vom Alliierten Kontrollrat beschlagnahmt. Die amerikanische Militärregierung verhinderte jedoch die Sprengung der Anlagen. In dem weitläufigen Fabrikareal sollten kleine und mittlere Betriebe angesiedelt werden. Johann Konen konnte dort einen großen Trakt anmieten und die über die Stadt verstreuten kleineren Produktionsstätten in modernen hellen Fabrikationsräumen zusammenfassen.

„...neues Leben blüht aus den Ruinen ...“

Engpässe bei der Rohstoffversorgung und allgemeiner Strommangel kennzeichneten die Notjahre der ersten Nachkriegszeit. Die Nachfrage nach Bekleidung war riesig. Konen war nicht nur bei der Versorgung von „Displaced Persons“ eingeschaltet, sondern auch bei der Flüchtlingshilfe und bei der Ausstattung von Arbeitern im Rahmen der Bergbau-Programme. Außerdem hatte die amerikanische Militärregierung den Auftrag für die Fertigung von Uniform- und Zivilbekleidungsstücken für das Münchner Offiziers-Verkaufshaus erteilt. Wie mühsam die Arbeitsverhältnisse damals waren, zeigt auch ein Brief von Johann Konen und Eduard Ketzer an Alfred und Carl Bach: „Die Schwierigkeiten sind zwar in jeder Hinsicht gross, aber beim Bauen wohl am grössten. Abgesehen von der Materialfrage muss man jeden Handwerker betteln und Versprechungen machen bis er sich herbeilässt überhaupt am Bau zu erscheinen.“ In der Fabrikation sah es nicht besser aus: „Wie Ihnen bereits berichtet, wurden wir ab Anfang September vom Strombezug abgeschaltet und konnten nicht mehr arbeiten. Ende September ist es uns gelungen ein Notstrom-Diesel-Aggregat aufzustellen, sodass wir seit dieser Zeit mit Hilfe von eigenem Strom wieder arbeiten können.“

Frühzeitig konnte Johann Konen mit Peter H. Bach, dem Sohn von Carl Bach, Kontakt aufnehmen. Er war als amerikanischer Offizier nach München gekommen und hatte sein Quartier in der Villa am Böhmerwaldplatz. Dort war der Stab des US-Brigadegenerals untergebracht. So schnell wie möglich setzte sich Johann Konen mit den früheren Firmeninhabern in Amerika in Verbindung. Er benötigte den Nachweis, dass die Übernahme korrekt abgelaufen war. Damit wollte er verhindern, dass ein Treuhänder in den Betrieb kam. 

Alfred und Carl Bach hielten am 29. September 1947 in einer Bestätigung fest, dass die Johann Konen KG unter ihrer Mitwirkung gegründet wurde. „Als Folge der damals in Deutschland bestehenden Verhältnisse mussten wir Bedingungen annehmen, die für uns sehr ungünstig waren. Immerhin erreichten wir, dass die Geschäftsführung in den Händen von Herrn Johann Konen und Herrn Eduard Ketzer verblieb, welche für lange Jahre unsere bewährten Mitarbeitern gewesen sind. Es ist deshalb unser Wunsch, dass die Herren Konen und Ketzer die Geschäftsführung behalten sollen.“

Der Wiederaufbau des Geschäftshauses

Mit Nachdruck trieb die Konen-Geschäftsleitung den Wiederaufbau des Geschäftshauses voran. Zur Finanzierung der Unkosten vermietete man 1948 einen Teil des Parterres in der Sendlinger Straße an das Isar-Schuhhaus Joh. Tretter. Am 9. Mai eröffnete schließlich der eigene Verkaufsraum im 1. Stock und den Zugang Sendlinger Straße. „Der Andrang ist enorm und sind wir froh den Verkauf wieder in hellen repräsentativen Räumen abwickeln zu können.“

Die Neuordnung der Firma

1949 war es dann soweit, dass die Familie Bach die Neuregelung der Firmenverhältnisse in Angriff nehmen konnte. Sie hegte keine Absicht, die Gesellschaftsverhältnisse zu ändern. Vielmehr wollte sie die Form der Kommanditgesellschaft beibehalten. Alfred Bach machte in einem Brief an Frau Sophie Bispinck deutlich: „Da mein Vetter noch ich die Absicht haben, unseren Wohnsitz nochmals nach Deutschland zu verlegen, sind wir und auch Sie darauf angewiesen, dass die Führung der Gesellschaft in den Händen tüchtiger und bewährter Fachleute bleibt, die ihr ganzes persönliches Sein dauernd der Firma widmen, wie dies auch von dem Inhaber einer off. Handelsgesellschaft erwartet wird.“  Und weiter schrieb er: „Ich glaube, Sie werden uns zustimmen, dass der Erfolg eines Unternehmens wie es die Konen Komm.-Ges. in der Combination als Fabrik und Einzelhandels-Geschäft darstellt, von der Leitung durch erfahrene Fachleute abhängig ist, die man nicht ohne Weiteres findet. In Herrn Konen haben wir einen ausserordentlich und aussergewöhnlich tüchtigen Fachmann, der in der Firma aufgewachsen ist und auch einen Namen in der Branche geschaffen hat.“ Alfred Bach plante nach Rücksprache mit seinem Vetter Carl Bach die Verteilung des Kapitals auf ihn, seinen Vetter, auf die Gruppe Bispinck und auf Konen, Ketzer und Marx.

Bevor jedoch eine endgültige Entscheidung fallen konnte, mussten die beteiligten Parteien den Ausgang des Rückerstattungsverfahren von Alfred und Carl Bach abwarten. Auf der Grundlage des am 27. Juli 1950 vor der Wiedergutmachungsbehörde X Oberbayern abgeschlossenen Vergleichs kam zunächst ein neuer Gesellschaftsvertrag mit Wirkung vom 1. Januar 1950 zustande.

Die Isidor Bach oHG wird Mitglied der Gesellschafter

Danach traten die ehemaligen Gesellschafter der Isidor Bach oHG, Alfred und Carl Bach, als Kommanditisten in die Johann Konen Kommanditgesellschaft ein.

Auf der Gesellschafterversammlung am 23. August 1950 wurde mit Wirkung zum 1. Januar 1951 das Kapital erhöht und die Aufnahme von Hans Herbel festgeschrieben. Die Beziehungen zu Hans Herbel reichten bis ins Jahr 1928 zurück, wie sich Johann Konen erinnerte. Er war damals junger und erfolgreicher Verkäufer bei Engelhorn & Sturm in Mannheim, bevor er zu Bach wechselte. Nach Kriegsende unterstützte er Johann Konen in der Geschäftsführung. Das Anwesen Sendlinger Straße 5 ging an Alfred und Carl Bach zurück. Zur Abgeltung der entgangenen Nutzungen wurde ihnen das bestehende Treuhandkonto zugesprochen.

Dem Bekleidungshaus blieben die Nachfolger von Isidor Bach jedoch auch weiterhin verbunden.

Einen Verkauf aller Anteile zogen Alfred und Carl Bach nicht in Erwägung, „weil wir aus ideellen Gründen auch weiter noch – wenn auch mit einem geringen Prozentsatz – an unserer früheren Firma beteiligt zu bleiben wünschen.“ Die Interessen der Familie Bach vertritt heute Herr Ken Korman.